Die Wiesenschwein-Automatisation besteht aus verschiedenen Systemen und Technologien. Sie sind miteinander vernetzt und kommunizieren, gesteuert über ein Computerprogramm, das speziell für die Wiesenschweine entwickelt wurde. Ziel dieses Programms ist, dass die Schweine möglichst viel Freilaufzeit haben. Dazu holt es Informationen ab, trifft Entscheidungen und gibt Befehle; es berechnet die Freilaufzeiten und optimiert sie. Auch auf Verspätungen oder ungeplante Unterbrüche reagiert das Programm souverän.

In einem Schweinestall gibt es verschiedene Schweine-Gruppen, das sind Tiere gleichen Alters. Diesen Gruppen stehen zwei Freilaufstufen zur Verfügung. Freilaufstufe 1 ist ein Spielplatz, Freilaufstufe 2 eine Wiese- und Waldfläche. Abhängig von der Anzahl Gruppen gibt es mehrere Segmente, also Spielplätze und Weiden, die parallel betrieben werden. Das garantiert den Schweinen genügend Freilauf, auch in grossen Betrieben.Für den Freilauf wird einer Schweinegruppe das Tor zwischen dem Balkon, also dem permanenten Auslauf, und dem Spielplatz automatisch geöffnet. Die Schweine springen nach draussen und spielen, wühlen und rennen herum. Wenn es das Wetter erlaubt, öffnet sich das zweite Tor zwischen dem Spielplatz und der Wiese und dem Wald nach kurzer Zeit. Die Tiere haben nun die gesamte Fläche zur freien Verfügung.Scanner, die an den Toren befestigt sind, messen ständig, welches Tier sich wo befindet. Sobald die Freilaufdauer zu Ende ist, ertönt eine bestimmte Tonfolge. Auf diese Tonfolge ist die Gruppe konditioniert und so laufen die Schweine selbständig zurück. Sobald das Leitsystem die Information erhält, dass alle Tiere zurück im Stall sind, schliessen Tore automatisch. Möglich ist das dank einem Bildalgorithmus und den Scannern.

Raus

Rein

Jeder Landwirt besitzt ein Tablet zur Steuerung des Systems. Er kann stets in Echtzeit verfolgen, wo seine Tiere gerade sind. Und wenn nötig, greift er in die Steuerung ein. Das System organisiert neben dem gesamten Tier-Management auch das automatisierte Wägen der Schlachtschweine. Fehler werden angezeigt, der Landwirt erhält bei Bedarf eine Benachrichtigung auf sein Handy.

Die Tore sind für die Wiesenschwein-Haltung besonders wichtig: Sie lassen sich automatisch öffnen und schliessen. Dieses System haben wir in Zusammenarbeit mit einem Partner entwickelt und nun werden die Tore in Serie gefertigt.

Für das Tierhaltungssystem der Wiesenschweine wurden spezielle Ohrmarken entwickelt. Diese Ohrmarken sind besonders klein und stabil. Jede Ohrmarke enthält ein RFID-UHF Inlay mit einer speziellen Antennentechnologie. Die grünen Unterlegscheiben werden laufend weiterentwickelt.Die Scanner der Firma Sick sind mit einem Algorithmus ausgestattet, der speziell auf unsere Anforderungen angepasst ist: Die Scanner sind über den Toren angebracht und registrieren die Bewegungen der Ohrmarken; sie erkennen, ob sich das Schwein von Drinnen nach Draussen bewegt oder umgekehrt.Das ermöglicht eine lückenlose Dokumentation über das Verhalten jedes einzelnen Wiesenschweins. Zudem kann der Landwirt so teil- oder vollautomatisierte Wägungen seiner Tiere vornehmen. Mit dieser Technologie wird es viele weitere Möglichkeiten geben, die wir schon bald nutzen können.

Die gesamte Anlage wird von Kameras mit Fischaugenobjektiven überwacht. Landwirte haben so die Möglichkeit, jederzeit und auch von unterwegs ihre Anlage und die Tiere zu überwachen. Unregelmässigkeiten werden frühzeitig erkannt.Die Kameras filmen ständig, während die Schweine ihren Freilauf geniessen. Diese Aufnahmen werden von einem Computerprogramm analysiert, einem Bildalgorithmus der die Schweine erkennt. So kann dieses Programm jederzeit Auskunft geben, ob sich Schweine in einem bestimmten Bereich befinden oder nicht.Diese Bildalgorithmen haben wir gemeinsam mit einer Start-Up-Firma entwickelt. In Kombination mit der RFID-UHF-Technologie Scanner erreichen wir so eine maximale System-Sicherheit. So schliessen zum Beispiel die Tore nicht, wenn noch Tiere einer Gruppe im Freilaufbereich sind. So wird ein Vermischen der Gruppen vermieden.Ja, wir haben den Computer gelehrt, was ein Wiesenschwein ist.

Das Tierhaltungsreglement der Wiesenschwein AG gibt eine Mindestauslaufdauer pro Schweinegruppe vor. Ausserdem sieht es vor, dass die Schweine so lang wie möglich im Freien sind.Der Landwirt kann den Start und das Ende seines Arbeitstages individuell festlegen, zum Beispiel kürzere Tage im Winter, längere während den Sommermonaten. Und er hält fest, wann er seine Mittagspause macht. Anhand dieser Vorgaben berechnet das System die Freilaufzeiten für die verschiedenen Schweinegruppen. Falls es zu Verzögerungen kommt, korrigiert und optimiert das System selbständig.

Die Automatisation wurde von der Wiesenschwein AG in Zusammenarbeit mit einer Schweizer IT-Firma speziell für das Wiesenschwein-System entwickelt. Die Wiesenschwein AG besitzt alle Rechte.